Die Vorgeschichte

„Wir sollten mal…“, sagte ich sehnsüchtig zu meinem Mann, wenn der Regen in Hamburg wieder von allen Seiten kam und auch von unten. „Oui“, sagte er dann. Ich: „Stell dir vor! Wir würden dieses gelbe Ding am Himmel wiedersehen, wie heißt das noch gleich? Das müsste doch irgendwie machbar…“ Er: „Oui.“

Seit mein Mann mein Mann ist, will ich leben wo er herkommt. Oder besser noch ein bisschen südlicher. In Südfrankreich. Wo sich die meiste Zeit des Jahres ein blauer Himmel aufspannt, wo Eidechsen über aufgeheizte Mauern flitzen und der Rosmarin für die Lammkoteletts im Garten wächst. Das Ganze nicht allzu weit vom Meer entfernt, s’il vous plaît. „Oui“, sprach mein Franzose und telefonierte ein bisschen in der Verwandtschaft herum.

Dann ging alles ganz schnell. Wir erwarteten ein Baby, das zugehörige Elterngeld würde bald wie warmer Landregen aufs Konto nieder kommen und uns freie Zeit kaufen – und plötzlich gab es da auch ein Haus für uns. Von der Schwester einer Freundin der Tante mütterlicherseits meines Mannes. Es läge mitten in den Pyrenäen auf einem Hügel oberhalb eines 330-Seelen-Dorfs. Da sei absolut nichts los, warnte man uns. Wir sollten hinfahren und es ansehen. Fühlt euch aber zu nichts verpflichtet, hieß es. Wir fuhren.

Es war noch Winter, die Berge trugen dicke Mützen aus grauem Nebel. Im Haus brannte ein Feuer im Kamin, auf dem man ein Schwein hätte rösten können. Die Besitzer, ein franko-deutsches Paar wie wir, führten uns herum; alte Treppen knarrten, himmelblaue Fensterläden wurden knirschend aufgestemmt. Schon nach wenigen Minuten ging es um Details: Bei der Toilette handle es sich um eine echte Landtoilette, also ohne Anschluss ans Abwassersystem. Deshalb müsse man regelmäßig Bakterien ins Klo kippen, die dann den ganzen Schiet und so weiter. Am besten sollten wir das immer am Samstag machen, denn die Bakterien im Tank seien es gewöhnt, samstags Verstärkung zu bekommen. Ach ja, in der Garage stünden Skier in allen möglichen Größen und ein kleines Auto für die Fahrt zum Lift. Der Schlüssel steckt. Miete? Davon wollten die Besitzer nichts hören. Aber wenn wir im Sommer bitte den Rasen mähen und im Herbst den Feigenbaum abernten würden…

Mein Franzose und ich sahen uns an. Wie jetzt. Dieses Haus, dieser Garten, dieser Ausblick. Für uns allein, für ein Jahr. Gibt’s das, so viel Großzügigkeit? Wir freuten uns scheckig, kapierten es aber nicht so richtig.

Es wurde Frühling in Hamburg, es regnete von unten und von den Seiten – egal. Wir frühstückten in Gedanken schon draußen vor großem Bergpanorama. Das Baby kam. Und schließlich die Zeit der Abreise…

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8 thoughts on “Die Vorgeschichte

  1. Liebe Helen, sehr schöne Idee! Das Umziehen wie das Bloggen. Ich werde das Leben in Bleu verfolgen! Herzliche Grüße von einer anderen sonnigen Gegend, wo die Farbe des Sommers eher gelb als blau ist – gelb wie verdörrtes Gras und ausgetrocknete Erde, puh, Wüstenluft in Los Angeles,
    Christine

  2. Hallo, bis jetzt war ich nicht frankophil.
    Obwohl ich in den 80ern in der Berliner FNAC-Filiale Tonträger verkauft habe.

    Dank Ihres Blogs lebe auch ich jetzt in Südfrankreich
    … und werde es jeden Tag (Eintrag) genießen.

    Merci

  3. Hallo ihr drei,die ihr so weit weg seit. Lucas und Marie waren ganz traurig, das sie das Baby gar nicht sehen konnten. Nach Suedfrankreich kommt man ja nun nicht so einfach hin, da ist die Schule, beide Eltern berufstätig… Aber so können wir an euremLeben teilnehmen und euch auch berichtenwas uns so passiert.Also tolle Idee, schön geschrieben und wir bleiben inKontakt. Liebe Grüße an Damian und den Zwerg. Cousine Anja

  4. Toll zu hören wie gut es euch geht.wir hatten gerade Elena im Hause und konnten feststellen, dass zwei Personen schon ganz gut sind . Elena ist 3,4 Jahre verstecken tollen usw. . Liebe Grüße hedwig u. Meinolf

  5. Liebe Helen,

    ich habe dich für den Liebster Award nominiert. Das ist so eine Art „kleiner Oscar“ für die kleinen Blogs, damit wir ein bisschen bekannter werden. Also es geht ums Vernetzen und besser kennenlernen. Man beantwortet 11 Fragen und nominiert dann weitere 11 Blogs. Vielleicht hast du davon ja auch schon gelesen.

    Ich habe dich angeschrieben, weil ich dich und deinen Blog sehr sympathisch finde. Ich habe extra Blogs rausgesucht, die richtig kreativ und schön zum Lesen sind und bei denen es sich lohnt, dass sie bekannter werden. Und deiner war dabei 🙂

    Natürlich ist es kein „Muss“ mitzumachen, aber ich würde mich sehr freuen, wenn du Lust darauf hast.

    Hier ist der Link zu der Seite http://villa-schaukelpferd.de/mamazimmer/liebster-award/

    Ganz liebe Grüße
    Christine von der Villa Schaukelpferd

  6. Liebe Helen,

    seitdem ich selbst vier Jahre mit Kind und Kegel in England verbringen durfte, lese ich immer gerne, wie es anderen anderswo ergeht. Dein Blog ist sehr nett geschrieben und als alte Frankreichliebhaberin lese ich ihn doppelt gerne.

    Ich würde mich freuen, wenn ich deinen Blog auf meiner neuen Website http://www.expatmamas.de angeben durfte (und du vielleicht auch auf uns verweisen möchtest). Ziel der Seite ist es, Mamas auf der ganzen Welt miteinander in Verbindung zu bringen, zum Austauschen und Tipps sammeln, wenn das Abenteuer Ausland vielleicht grad erst vor der Tür steht.

    Klick doch mal rein.
    Merci beaucoup
    Viele Grüße
    Jonna

  7. Liebe Frau Dr.Bömelburg,
    eben habe ich in einem Apotheker-Newsletter gelesen, daß Sie den Sonderpreis der Apothekerkammer Westfalen-Lippe bekommen haben. Nach erfolgloser Suche nach dem Artikel in der Coesfelder Zeitung habe ich Ihren Namen im www gesucht und bin auf Ihren Blog gestoßen. Könnten Sie mir einen Link zu Ihrem Artikel schicken, aus der Titelzeile vermute ich ein Porträt über die Apotheke Ihres Vaters, der in der letzten Genossenschaftsversammlung unserer NOWEDA in Ehren verabschiedet wurde. Ich bin nur eine normaler Apothekerin aus Köln ohne Funktionen in der NOWEDA oder journalistische Ambitionen, die jetzt neugierig auf Ihren Blog ist.Wenn ich schon nicht aus der Apotheke weg komme, reise ich gerne lesend mit Ihnen in die Pyrenäen
    Vielen Dank und freundliche Grüße vom Rhein
    Angela Brühl

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