{"id":678,"date":"2014-06-21T19:34:38","date_gmt":"2014-06-21T19:34:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=678"},"modified":"2014-07-11T14:52:47","modified_gmt":"2014-07-11T14:52:47","slug":"freunde-eines-jahres-au-revoir-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=678","title":{"rendered":"Freunde eines Jahres (Au revoir 2)"},"content":{"rendered":"<p>Wir k\u00f6nnen nicht wegfahren, ohne ein Abschiedsfest zu geben. Die G\u00e4steliste zu schreiben dauert etwa eine Minute. Wir laden einfach alle ein, die uns im Laufe eines Jahres ans Herz gewachsen sind. 15 Namen stehen drauf. Es kommen schlie\u00dflich\u00a027 den H\u00fcgel herauf, weil viele ihre Partner, Freunde und Kinder mitgebracht haben (Hunde nicht mitgez\u00e4hlt).<\/p>\n<p>Wir werden mit essbaren Geschenken \u00fcberh\u00e4uft (Berghonig, zehn Sorten Ziegenk\u00e4se, hausgemachte G\u00e4nseleber, Weine aus der Region, eingemachte Kirschen, eingemachte Mirabellen, B\u00e4rlauch-Pesto, Kastanien-P\u00fcree und und und). Als die Bergketten im tintenblauen Dunkel versinken, sitzen drau\u00dfen am Tisch:<\/p>\n<p>Muriel und Olivier, befreundete H\u00f6hlenb\u00e4ren. Unser Automechaniker Christophe. Meine Zumba-Girls. B\u00e4ckerin Emmanuelle mit Mann und zwei S\u00f6hnen. Die Nachbar-Bauern. Patrick und Sylvie, die Pantoffelmacher aus dem n\u00e4chsten Dorf, mit zwei erwachsenen Kindern. Patrick und Caroline, die ganz in der N\u00e4he ein ehemaliges Wohnhaus von Zisterzienser-M\u00f6nchen aus dem 12. Jahrhundert restaurieren (\u00fcber dieses beeindruckende Projekt wollte ich auch noch schreiben. Aber wann blo\u00df\u2026?) Weiter: Nachbar Fred und Angelique, eine Flamenco-Lehrerin, kommen zwei entz\u00fcckenden T\u00f6chtern, die unser B\u00e9b\u00e9 an beide H\u00e4nden fassen und ihn mit ihrem riesenhaften Hund Romeo bekannt machen (was auf B\u00e9b\u00e9s Seite begeisterte &#8220;wau-wau&#8221;-Rufe ausl\u00f6st und Romeo ziemlich kalt l\u00e4sst). B\u00e9b\u00e9s Babysitter Laura und deren Eltern: Bernard, der Sch\u00e4fer, mit Evelyne.<\/p>\n<p>Der Abend ist lau,\u00a0Monsieur grillt Lammkoteletts und meine charmante Schwester, die zu Besuch ist, f\u00fcllt Gl\u00e4ser nach und wird von kleinen M\u00e4dchen und M\u00e4nnerblicken verfolgt. F\u00fcr mich w\u00e4re dies jetzt der Moment, sentimental zu werden. Ach, die Berge. Der weite Himmel. Unser Haus. Die Menschen, die wir m\u00f6gen und die uns m\u00f6gen. Und ein Jahr, das zu Ende geht. Doch so sehr mir bewusst ist, etwas Kostbares und Einzigartiges erlebt zu haben \u2013 festhalten will ich es nicht. Es darf vorbei sein. Und so sitze ich auf der noch warmen Steinmauer am Haus, h\u00f6re unsere Freunde lachen und palavern. Denke an unser Kind, das schon seit Stunden schl\u00e4ft.<\/p>\n<p>Als wir herkamen, war es noch ein schlappes P\u00fcppchen mit Wackelkopf. Jetzt ist daraus ein unerschrockener kleiner Junge geworden, der auf eigenen Beinen steht (wenn er auch noch nicht geht). Seit wir hier sind nehme ich ihn jeden Abend vor dem Schlafengehen auf den Arm und wir gehen einmal ums Haus herum, um allen eine gute Nacht zu w\u00fcnschen. Gute Nacht, K\u00fche. Gute Nacht, Eidechsen, Hunde und Kauze. Gute Nacht Marderfamilie, die im Dach wohnt. Das Kind schaut dann meist noch erwartungsvoll und ich mache weiter: Gute Nacht, Berge. Gute Nacht, Sonne und Wolken und Wiese. Noch immer gro\u00dfe Augen. Weiter, Mama! Also gut (es h\u00f6ren ja nur wir beide): Gute Nacht, Komposthaufen. Gute Nacht, Gartenschlauch\u2026<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein seltsames Gef\u00fchl, so viel Sch\u00f6nes nicht wiederholen zu wollen. Hei\u00dft das, dass es nicht sch\u00f6n war? Nein. Es hei\u00dft wohl eher, dass uns hier in Frankreich das seltene Kunstst\u00fcck gelungen ist, ganz im Hier und Jetzt zu leben.<\/p>\n<p>Gegen drei Uhr morgens sagen uns die letzten Freunde <em>au revoir <\/em>und:<em>\u00a0<\/em>Wie sch\u00f6n, euch kennengelernt zu haben, bleibt heil und gesund, wir werden euch vermissen, kommt wieder, ihr seid immer willkommen.<\/p>\n<p>Gute Nacht, alle. Au revoir, Frankreich.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GUJ_4756_screen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-687\" alt=\"GUJ_4756_screen\" src=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GUJ_4756_screen.jpg\" width=\"1200\" height=\"1799\" srcset=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GUJ_4756_screen.jpg 1200w, http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GUJ_4756_screen-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GUJ_4756_screen-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir k\u00f6nnen nicht wegfahren, ohne ein Abschiedsfest zu geben. Die G\u00e4steliste zu schreiben dauert etwa eine Minute. Wir laden einfach alle ein, die uns im Laufe eines Jahres ans Herz gewachsen sind. 15 Namen stehen drauf. 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