{"id":549,"date":"2014-05-29T20:25:47","date_gmt":"2014-05-29T20:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=549"},"modified":"2014-05-29T20:25:47","modified_gmt":"2014-05-29T20:25:47","slug":"frankreich-ist-keine-insel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=549","title":{"rendered":"Frankreich ist keine Insel"},"content":{"rendered":"<p>Mein Mann steckt derzeit in den weit verzweigten Kalksandsteinh\u00f6hlen nahe Bordeaux. Das kann Wochen dauern. So weit, so normal.<\/p>\n<p>Ich bin mir angesichts des Wahlerfolgs der Rechtsextremen in Frankreich allerdings nicht sicher, ob er diesmal nicht deutlich l\u00e4nger da unten bleibt. Denn Monsieur m\u00f6chte vor Scham buchst\u00e4blich im Boden versinken, weil 25 Prozent seiner Landsleute bei der Europa-Wahl Marine le Pens giftigen K\u00f6der geschluckt haben, der nach einem endlich-wieder-stolzen Frankreich schmeckt, f\u00fcr die Franzosen, von den Franzosen. T\u00e4\u00e4t\u00e4\u00e4! Ohne Br\u00fcssel, ohne Ausl\u00e4nder und ohne den Pariser Filz aus Politik, Geld und Medien.<\/p>\n<p>Bei uns im Dorf haben die meisten Leute f\u00fcr die Sozialisten oder die Gr\u00fcnen gestimmt (die Gegend ist eine alteingesessene Hippie-Hochburg), aber dennoch 22 Prozent f\u00fcr den Front National. Dabei haben die meisten hier noch nie einen Ausl\u00e4nder gesehen (au\u00dfer mir und B\u00e9b\u00e9, aber der z\u00e4hlt nicht, weil er ja nur ein halber Ausl\u00e4nder ist). Es will mir einfach nicht in den Kopf, was diese Leute sich denken. Was soll der Mist: Wollt ihr ernsthaft wieder euren Pass zeigen, wenn ihr die drei\u00dfig Kilometer r\u00fcber nach Spanien zum Skifahren oder Sonnenbaden fahrt? Und wieder den Franc einf\u00fchren, der das Land mit noch mehr Karacho in die Rezession sausen lassen wird als das ohnehin der Fall ist? Und was wird le Pens Rassismus wohl gegen die Arbeitslosigkeit ausrichten, hm?!<\/p>\n<p>Monsieur wird nicht m\u00fcde zu erkl\u00e4ren, dass solche \u00dcberlegungen f\u00fcr FN-W\u00e4hler keine Rolle spielen. Entscheidend sei ihr Gef\u00fchl, all das NICHT zu wollen, was derzeit im Land passiert. Nein zur Homo-Ehe, nein zum Wahlrecht f\u00fcr EU-B\u00fcrger, nein zu Immigranten, nein zu Moscheen, nein zur politischen Klasse (nein zu schlechtem Wetter, zu verfaultem Camembert, zu Schwiegermutterbesuch\u2026)<\/p>\n<p>Der FN-W\u00e4hler f\u00fchlt sich von\u00a0Globalisierung, konkurrierenden M\u00e4rkten, Bildungs- und Technologiewettkampf \u00fcberfordert. Dabei hatte er doch damals im Geographie-Unterricht gelernt, dass Frankreich eine Insel sei und von solchen Unannehmlichkeiten f\u00fcr immer und ewig verschont bliebe.\u00a0Und jetzt auch noch diese galoppierende Anglisierung!\u00a0<em>Ze w\u00f6rld spieks Inglish.<\/em>\u00a0Was f\u00fcr eine Kr\u00e4nkung. Da kann man ja nur w\u00fctend los kreischen: Non, non, non!<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich reagiert \u00fcbrigens B\u00e9b\u00e9, wenn er \u00fcberdreht und \u00fcberm\u00fcdet ist und ihm die Welt pl\u00f6tzlich allzu gro\u00df und bedrohlich erscheint. Bietet man ihm in dieser Stimmung sein Abendessen an, passiert folgendes: Nudeln? <em>Paff<\/em>, fliegen auf den Boden. Gekochte M\u00f6hrchen? B\u00e4h, will ich nicht! Vollkornbrot, selbst gebacken. Apfel-Mango-P\u00fcree. Lecker Gurke. Kopfsch\u00fctteln, w\u00fctendes Gekreisch. Nein! Will ich nicht, will ich nicht, will ich nicht.<\/p>\n<p>Der Vorteil an B\u00e9b\u00e9 wiederum ist, dass man ihn einfach ins Bett stecken kann, wo er sogleich den (linken!) Daumen in den Mund steckt, zufrieden nuckelnd einschl\u00e4ft und am n\u00e4chsten Morgen als lupenreiner Demokrat erwacht. Neugierig, aufgeschlossen, tatkr\u00e4ftig und \u00fcberaus lernwillig.<\/p>\n<p>Wie sich diese Vorgehensweise auf den Front National \u00fcbertragen lie\u00dfe, ist mir noch nicht klar. Konstruktive Vorschl\u00e4ge sind willkommen, m\u00f6glicherweise w\u00fcrden sie auch meinen Ehemann dazu bewegen, wieder ans Tageslicht (und zu mir) zur\u00fcckzukehren. Herzlichen Dank.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Mann steckt derzeit in den weit verzweigten Kalksandsteinh\u00f6hlen nahe Bordeaux. Das kann Wochen dauern. So weit, so normal. Ich bin mir angesichts des Wahlerfolgs der Rechtsextremen in Frankreich allerdings nicht sicher, ob er diesmal nicht deutlich l\u00e4nger da unten bleibt. 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