{"id":425,"date":"2014-03-05T13:58:16","date_gmt":"2014-03-05T13:58:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=425"},"modified":"2014-03-05T13:58:16","modified_gmt":"2014-03-05T13:58:16","slug":"cannes-man-hin-muss-man-aber-nicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=425","title":{"rendered":"Cannes man hin, muss man aber nicht"},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, die \u00dcberschrift zu diesem Text ist ein bisschen billig. Aber genau so ist Cannes, unsere letzte Reisestation: sauteuer, aber geschmacklos. Luxus der billigsten Sorte. An der Croisette, der ber\u00fchmten Strandpromenade, sitzen ockerfarben gebrannte Rentner und schauen abwechselnd auf ihre Rolex und in BILD. Schwer zu sagen, ob die vielen zugekleisterten Russinnen wegen der Pelzm\u00e4ntel so schwitzen oder weil sie schwer an ihren k\u00fcnstlichen Br\u00fcsten tragen.<\/p>\n<p>B\u00e9b\u00e9 und ich schauen uns alles staunend an. Das Kind zieht ein o-f\u00f6rmiges Schn\u00fctchen, als es einen Hund im rosa &#8220;Hello-Kitty&#8221;-Mantel sieht. Zwei kleine M\u00e4dchen in identischen Outfits: T\u00fcllr\u00f6ckchen, Mini-Pumps und Glitzer-Boleros: &#8220;Oh-oh!&#8221; Ein\u00a0bombastischer Kinderwagen aus wei\u00dfem Kunstleder f\u00e4hrt vorbei, auf dem in goldenen Buchstaben &#8220;Versace Young&#8221; steht: &#8220;Oh-oh-oh!&#8221; (Am Abend mache ich mir den Spa\u00df und google den Preis: Das Ding kostet 3999 Euro). Aus Hamburg bin ich einiges gew\u00f6hnt, was dicke Autos, teure Klamotten und \u00fcbers\u00e4ttigtes Gro\u00dfb\u00fcrgertum angeht. Aber Cannes ersch\u00fcttert mich.\u00a0Auf den Stufen des klotzigen Festpalasts (hier wird allj\u00e4hrlich der rote Teppich f\u00fcr all die nicht weltbewegenden Stars ausgerollt) hocken zwei minderj\u00e4hrige Chinesinnen und schauen gelangweilt auf zahllose Gucci-, Prada- und Celine-T\u00fcten, die sie um sich herum aufgeh\u00e4uft haben. Klamotten und Handtaschen im Wert von bestimmt einigen tausend Euro sind halb herausgezogen und liegen durcheinander wie tote Jagdbeute.<\/p>\n<p>Abgesehen von solchen Konsum-Leichen finden wir&#8217;s sch\u00f6n hier: Es sind 20 Grad, das Mittelmeer glitzert dunkelblau. Morgens, wenn Monsieur\/Papa losgefahren ist, um durch die Unterwelt der C\u00f4te d&#8217;Azur zu kriechen, ziehen wir los: Erst zum Markt in der Altstadt, wo das Baby H\u00e4ndler und Kunden anflirtet und daf\u00fcr viele &#8220;Bonjour, mon beau&#8221;-Rufe einheimst. Danach geht&#8217;s zum Strand, die Croisette entlang bis zur Marina, wo man anhand der fetten Motoryachten eine Liste weltweiter Steueroasen erstellen k\u00f6nnte: Da d\u00fcmpelt &#8220;Lady Elegance&#8221;, Heimathafen Guernsey; &#8220;Taj Mahal&#8221; von den Caiman-Inseln; &#8220;Breeze of Pride&#8221; (mein Gott, was f\u00fcr ein Name) aus Monaco etc. Wer wie ich nicht einen \u00a0Euro f\u00fcr die \u00f6ffentliche Toilette bezahlen will, kann hinter dem Wellenbrecher ungest\u00f6rt und mit tollem Meerblick pinkeln gehen.<\/p>\n<p>Am Strandkiosk Nr. 9 trinke ich den ersten Kaffee, B\u00e9b\u00e9 saugt seine Flasche aus und f\u00e4llt umgehend in Tiefschlaf. Danach halten wir die F\u00fc\u00dfe ins Mittelmeer, das Kind paniert seine H\u00e4nde mit Sand und lutscht dann erstaunt, aber unerschrocken am Daumen. So vergehen die Tage. Der Kilometerstand des Kinderwagens ist sicher vierstellig. Abends wuchte ich ihn noch hinauf zum Burgberg. Dort in der Festung oberhalb von Cannes war der &#8220;Mann mit der eisernen Maske&#8221; jahrzehntelang eingesperrt. Ein versteckt gehaltener Zwilling Ludwigs XIV? Ein fr\u00fcher Whistleblower, der ein Staatsgeheimnis mit ins Grab nahm? Man wei\u00df es nicht. Ein bisschen was Interessantes und Sch\u00f6nes (so wie die himmelblauen M\u00fclltonnen) hat die Stadt jedenfalls doch.<\/p>\n<p>Ist der H\u00f6hlenb\u00e4r wieder aufgetaucht, nehmen wir im Schatten der Festung\u00a0den Ap\u00e9ritif. So kann man Cannes gut aushalten: Bei Nacht und aus der Entfernung betrachtet, mit einem Glas Wein in der Hand.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-4-e1393879837905.jpg\"><img loading=\"lazy\" alt=\"Foto 4\" src=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-4-e1393879837905.jpg\" width=\"1224\" height=\"1632\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" alt=\"Foto 2\" src=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-2.jpg\" width=\"1632\" height=\"1224\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-3-e1393879774316.jpg\"><img loading=\"lazy\" alt=\"Foto 3\" src=\"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-3-e1393879774316.jpg\" width=\"1224\" height=\"1632\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, die \u00dcberschrift zu diesem Text ist ein bisschen billig. 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