{"id":152,"date":"2013-10-23T12:49:25","date_gmt":"2013-10-23T12:49:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=152"},"modified":"2013-10-23T14:07:13","modified_gmt":"2013-10-23T14:07:13","slug":"when-too-perfect-lieber-gott-bose","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.helenboemelburg.de\/?p=152","title":{"rendered":"When too perfect, lieber Gott b\u00f6se"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend telefonierte ich mit S. S. ist ein von mir sehr geliebter, kritischer Geist. Was ich aus Frankreich berichte, sei alles ganz wunderbar. Zu wunderbar, sagte S. Wenn das ein Jahr lang so weiterginge, w\u00fcrde sie sich langweilen und die anderen Leser auch. Immer dieser blaue Himmel, immer diese Gen\u00fcsse, es sei unertr\u00e4glich. Das erinnert mich an den Spruch des koreanisch-amerikanischen K\u00fcnstlers Nam June Paik, der in M\u00fcnchen studiert hat und deshalb den sch\u00f6nen denglischen Satz pr\u00e4gte: &#8220;When too perfect, lieber Gott b\u00f6se.&#8221; Ich habe zwar nicht den Eindruck, dass mir irgendeine h\u00f6here Macht gerade gram ist. Aber man wei\u00df ja nie. Vorsichtshalber folgt daher nun eine Top-5-Negativliste meines aktuellen Lebens. Voil\u00e0.<\/p>\n<p>1. Mir fallen die Haare aus. Sie sind \u00fcberall: auf den Fliesen im Bad, in den Abfl\u00fcssen, im Bett, auf meinen Pullovern, selbst in B\u00e9b\u00e9s Windeln. Sie fallen mir str\u00e4hnchenweise aus, Geheimratsecken r\u00fccken unaufhaltsam meine Stirn hinauf. Der kl\u00e4gliche Rest meiner Haare ist fisselig und schlapp. Das ist nach einer Schwangerschaft v\u00f6llig normal, wei\u00df das Internet und tr\u00f6stet mich damit \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>2. Gestern Abend ging die Schermaschine kaputt, mit der Monsieur die Wiese rodet. Das Monstrum ist nun beim Landmaschinenfachmechaniker und nur er und der Himmel wissen, was die Reparatur kosten wird.<\/p>\n<p>3. Monsieur hat vergessen, seine BahnCard abzubestellen. Wir schenken der Deutschen Bahn nun 250 Euro f\u00fcr ein ganzes Jahr Nichtbahnfahren.<\/p>\n<p>4. Die Franzosen nerven. Beispiel: Ich gehe in einen Haushaltswarenladen, um einen neuen Filter f\u00fcr unseren Dunstabzug zu kaufen. Unversch\u00e4mterweise betrete ich das Gesch\u00e4ft, ohne den franz\u00f6sischen Fachausdruck f\u00fcr Dunstabzugshaubenfilter zu kennen. Die Verk\u00e4uferin l\u00e4sst mich meinen Fehler sp\u00fcren, denn auf meine Umschreibungen reagiert sie mit einem erstaunten, sp\u00f6ttischen Gesicht. &#8220;\u00c7a n&#8217;existe pas&#8221;, so etwas existiert nicht, sagt sie. Und was nicht existiere, f\u00fchre der Laden nicht. Doch, flehe ich, bestimmt haben Sie so was auch in Ihrer K\u00fcche, es ist wirklich ein simples Allerweltsteil&#8230; Non, sagt sie. \u00c7a\u00a0n&#8217;existe pas. Frankreich ist sprachliche Monokultur, hier gedeiht nichts au\u00dfer perfektem Franz\u00f6sisch, und sie d\u00fcngen es mit Arroganz.<\/p>\n<p>5. B\u00e9b\u00e9 besteht auf seinem Drei-Stunden-Stillrhythmus, den er seit Geburt eisern einh\u00e4lt. Auch nachts. Daran \u00e4ndert das kleine Mittagessen aus Kartoffel-, S\u00fc\u00dfkartoffel- oder K\u00fcrbisp\u00fcree rein gar nichts, das er seit Neuestem zu sich nimmt und in das ich gro\u00dfe Hoffnungen gesetzt hatte. Ich schlafe also immer noch nicht durch und bin daher des \u00f6fteren unkonzentriert, \u00fcbellaunig und uninspiriert.<\/p>\n<p>Zufrieden, liebe S.?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend telefonierte ich mit S. S. ist ein von mir sehr geliebter, kritischer Geist. Was ich aus Frankreich berichte, sei alles ganz wunderbar. 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